key indigenous australian issues
| home | news lDie Ausgestoßenen AustraliensMike Corder 16 Februar 2004 - Ein junger Aborigine stirbt. Seine Eltern und Freunde machen die Polizei verantwortlich. Kurz danach fliegen Brandsätze und Steine, ein Auto und der Stadtteilbahnhof gehen in Flammen auf. Die meisten Australier betrachten ihre Gesellschaft als fair, mit Chancen für jeden. Aber die Unruhen werfen ein drastisches Schlaglicht auf die Rassenprobleme, die das Land seit der Ankunft der ersten Siedler vor mehr als zwei Jahrhunderten verfolgen. Schauplatz der neunstündigen Straßenschlacht war das Elendsviertel "The Block" im Stadtteil Redfern, eine Ansammlung heruntergekommener Häuser. Ob der 17-Jährige tatsächlich von der Polizei verfolgt wurde, als er vom Fahrrad und in einen Zaun stürzte, wie dies Freunde erklärten, ist fast nebensächlich. Führende Vertreter der Aborigines, der australischen Ureinwohner, weisen darauf hin, dass die Gründe für die Unruhen weit tiefer liegen. "Die Leute sollten sich nichts vormachen; das ist Australien", sagt Senator Aden Ridgeway, der einzige Aborigine im australischen Bundesparlament. "Die Unruhen in der vergangenen Nacht sind ein extremes Beispiel dafür, wie weit die Entfremdung bei einigen jungen Aborigines geht." Aborigines-Kultur als Multi-Millionen-Dollar-Industrie Die Touristen bekommen meist auch gar nichts mit von den Lebensverhältnissen der Aborigines und ihrer schlechten medizinischen Versorgung. Seit der Ankunft der Siedler 1788 leben die Ureinwohner eher schlecht als recht neben der Gesellschaft her. Kostspielige Regierungsprogramme, dies zu ändern, scheiterten und machten die Aborigines zu einer Gemeinschaft mit den Problemen der Dritten Welt inmitten von einem der reichsten Länder der Welt. Heute leben etwa 400.000 Aborigines in einer Gesellschaft von rund 20 Millionen Menschen. Nach Angaben des Statistischen Amtes liegt die Lebenserwartung der Aborigine-Männer bei nur 56 Jahren, 21 Jahre unter dem Landesdurchschnitt. Die Lebenserwartung der Frauen liegt bei 63 Jahren, 20 Jahre weniger als die der Australierinnen. Von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Regierung abgesehen, liegt die Arbeitslosigkeit bei 40 Prozent. Die hohe Arbeitslosigkeit ist auch mitverantwortlich dafür, dass ein Fünftel der Häftlinge Aborigines sind, obwohl sie gerade zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen. Alkoholismus und Drogenkonsum sind die größten Plagen. Tief sitzendes Misstrauen Aborigine-Vertreter wie Cliff Foley von der Aboriginal and Torres Strait Islander Commission (ATSIC), einer Art Ureinwohner-Parlament, machen die Kolonisierung Australiens durch die Europäer für die Misere verantwortlich. Und in der Tat würde kein Historiker bestreiten, dass die Ureinwohner dereinst von ihrem Land vertrieben, ihre Kinder weggeschafft und die Aufrührer unter ihnen einfach eingesperrt wurden. "Enteignung, Trennung, Verhaftungen und Rassismus fordern eben ihren Tribut", ist sich Foley sicher. Doch scheinen "weiße" und "schwarze" Australier nach wie vor uneins, wie das gemeinsame Leben auf dem riesigen Inselkontinent aussehen könnte. So hatte Australiens konservativer Regierungschef John Howard weltweit Empörung geerntet, als er eine Entschuldigung an die Ureinwohner für das Unrecht der Vergangenheit ablehnte. Stattdessen sprach er sich für eine "praktische Versöhnung" aus, bei der sich die ATSIC nicht um Politik, sondern um Wohnungsbau, Gesundheits-, Bildungs- und Beschäftigungsfragen kümmern sollte. Mehr Gerede als gute Gesten Source: Stern (Germany)
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2004 gone for a song |
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