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    Brennpunkt Redfern

    Australien: Die Straßenschlachten in Sydney sind beendet, die Probleme bleiben

    Thomas Berger

    19 February 2004 - Das Verhältnis zwischen der weißen Mehrheit und Australiens Ureinwohnern, den Aborigines, ist nach wie vor gespannt. Auch sechs Jahre nach der öffentlichen Entschuldigung von Regierung und Parlament für die Gewaltakte und Diskrimierungen der Vergangenheit warten die Angehörigen der Minderheit noch immer auf Gerechtigkeit und eine Behandlung als »normale Staatsbürger«. Der Tod eines 17jährigen Jugendlichen in Sydney hatte am vergangenen Wochenende eine Gewaltwelle hervorgerufen, die mit etlichen Verhaftungen, verletzten Polizisten und erheblichem Sachschaden endete. Bewohner des Stadtteils Redfern und Sicherheitskräfte lieferten sich regelrechte Straßenschlachten. Auch wenn jetzt äußerlich wieder Ruhe eingekehrt ist, sind die Emotionen noch immer aufgepeitscht. Und die Politik trägt nicht unbedingt viel dazu bei, den schwelenden Brand zu löschen.

    Redfern ist der Bezirk der Vier-Millionen-Stadt, in dem vorwiegend Aborigines siedeln. Noch immer gelten etliche Straßenzüge als »zwielichtig«, werden für weiße Australier wie auch Ausländer als gefährlich eingestuft. Im dortigen Park befindet sich ein Umschlagplatz für Drogen, Redfern hat ein Negativimage als Hort der Kriminalität. Thomas Hickey, das Todesopfer vom Wochenende, fiel vom Fahrrad und wurde von einem Metallzaun aufgespießt – nach Aussagen seiner Mutter, als er von Polizisten verfolgt wurde. Die Wut der Anwohner entlud sich in einer Gewaltwelle, wie sie die Metropole seit vielen Jahren nicht mehr erlebt hat.

    Vor dem Gesetz haben die Ureinwohner, die von den weißen englischen Siedlern in den zwei Jahrhunderten nach deren Ankunft durch eingeschleppte Krankheiten, aber auch durch Massaker in ihrer Zahl erheblich dezimiert wurden, inzwischen zwar weitgehend gleiche Staatsbürgerrechte. Was auf dem Papier steht, ist allerdings nur die eine Seite: Auch der politische Aussöhnungsprozeß, der seit 1997 läuft, kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß es noch ein weiter Weg zur Normalität ist. Umfragen aus den letzten Jahren belegen, daß viele weiße Australier sogar die ungeliebten Einwanderer aus Südostasien den Ureinwohnern vorziehen, die von erzkonservativen Gruppen bis heute nicht als »vollwertige Menschen« angesehen werden. Die Lebenserwartung der Aborigines ist um 20 Jahre geringer als jene der Weißen, viele Ureinwohner leben von der kärglichen Sozialhilfe. Arbeitslosigkeit, damit verbundene Alkoholsucht, Drogenprobleme, häusliche Gewalt und Bettelei sind weit verbreitet. Während die Älteren sich weitgehend in ihr Schicksal gefügt haben, staut sich der Frust bei der perspektivlosen Aborigines-Jugend auf und entlädt sich bei Vorfällen wie in diesen Tagen. Keineswegs grundlos werfen außerdem selbst gemäßigte Vertreter der Ureinwohner der Polizei vor, noch immer von rassistischem Denken geleitet zu sein.

    Bob Carr, der sozialdemokratische Premier des Staates Neusüdwales, dessen Hauptstadt Sydney ist, hat unterdessen eine tiefgehende Untersuchung der Gewaltakte angeordnet und Maßnahmen zur weiteren Entwicklungsförderung im Stadtteil Redfern angekündigt. John Brogden, der konservative Oppositionsführer, goß allerdings Öl ins Feuer des schwelenden Konfliktes: »Ich würde einfach die Bulldozer anrollen lassen, denn ich glaube nicht, daß es das Problem löst, wenn wir solche Vorfälle alle paar Jahre zulassen«, sagte er mit Blick auf die Lage in Redfern.

    Source: Junge Welt (Germany)


    Further information: redfern riots issues page - includes news index and external links


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